Es gibt sie, die Unterschiede und Spannungsfelder zwischen Stadt und Land. Viele Menschen leben bewusst in der Stadt oder eben auf dem Land. Viele Menschen schätzen sowohl die Stadt mit ihren Angeboten wie auch das Land mit seinen Werten. In den vielen Jahren als Sozialvorsteherin in der Stadt Wil habe ich immer wieder erlebt, dass es Zuzüge gab von Menschen, die entweder die sozialen Angebote suchten oder auch die Anonymität der Stadt. Zuzüge auch von älteren Menschen, die die kürzeren Wege und umfassenderen Angebote der Altersversorgung schätzen. Vielfach entstehen den grösseren Städten darum zusätzliche Kosten. Doch auch die Sicherheit kostet mehr, der öffentliche Verkehr und die kulturellen Angebote. Dass in unserem Kanton die Stadt St.Gallen als Kantonshauptstadt in vielerlei Hinsicht stark herausgefordert ist, müsste allen klar sein. Es ist schlicht polemisch und greift zu kurz, wenn den Stadtbehörden zu grosse Ausgabenfreudigkeit vorgeworfen wird. Die St. Galler Regierung schlägt vor, den Lastenausgleich anzupassen und auch der Stadt St.Gallen höhere Beiträge zu zugestehen. Mit einigen Anpassungen der Vorlage stimmt die Kantonsratsmehrheit dem Kompromiss zu. Nur die SVP suchte mit dem Ratsreferendum die Konfrontation.

Wir dürfen nicht zulassen, dass Stadt und Land gegeneinander ausgespielt werden. Wir sind voneinander abhängig. Darum braucht es Dialog und gegenseitiges Verständnis. Das sagt sogar die Fenaco, die mächtige Genossenschaft für die Landwirtschaft, die diesen Dialog fördern will. Denn die Spannungsfelder sind grösser geworden. Wir sehen gerade überall auf der Welt, wie populistische Bewegungen alles daransetzen, um die Einen gegen die Anderen auszuspielen. Auf dieses Spiel dürfen wir uns nicht einlassen. Unser Land basiert auf Respekt und Rücksichtnahme. Ohne Kenntnis über die jeweiligen Herausforderungen und Verständnis füreinander kommen wir nicht weiter. Und das nützt am Ende niemandem. Darum muss die Vorlage unterstützt werden, über die wir am 18. Mai abstimmen werden. Ja zum V. Nachtrag zum Finanzausgleichsgesetz.

Dieser Text ist im Magazin Leader erschienen.