267 Millionen Franken will der Kanton St. Gallen in der «Stadt am See» verlochen, um einen dritten Autobahnanschluss und eine Kantonsstrasse runter zum See zu bauen. Die drei Gemeinden Rorschach, Goldach und Rorschacherberg haben bereits zwei Autobahnanschlüsse, einer davon nur gerade zwei Kilometer vom geplanten neuen Anschluss entfernt. Dem Asphalt weichen sollen alte Baumbestände, wertvolles Kulturland und neu aufgeforsteter Wald, ganze Häuserzeilen und der erst 2008 gebaute Neubau des Alters- und Pflegeheims Liebenau Helios.
Man hat den Eindruck, wir leben in den siebziger Jahren, als dem Autoverkehr alles untergeordnet wurde. Dabei müssten wir es heute doch besser wissen. Angesichts des Verlusts von Kulturland und Wald, Biodiversität, der steigenden Umweltverschmutzung und der Klimakrise Millionen in völlig überteuerte Strassen zu verlochen ist total aus der Zeit gefallen.
Mehr Strassen heisst mehr Verkehr, mehr Feinstaub, mehr Lärm, mehr Abgase, weniger Lebensqualität für die Anwohnenden. Alles zusammen belastet unsere Gesundheit und trägt dazu bei, dass die Gesundheitskosten steigen. Die Gesundheits- und Umweltkosten des motorisierten privaten Personenverkehrs in der Schweiz betrugen 2022 über 14! Milliarden! Franken!, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) berechnet hat. Wer’s nicht glaubt, findet mit den Stichworten «bfs kosten verkehr» die entsprechende Excel-Datei auf der Webseite des BFS. Diese Kosten werden übrigens in keiner Weise gemäss Verursacherprinzip finanziert, sondern von uns als Steuerzahler:innen und Prämienzahler:innen.
Gleichzeitig jammern die Regierung und Kantonsrat über klamme Finanzen und schnüren Sparpakete. Von der Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit angenommene Gelder werden kurzerhand wieder zusammengekürzt, wie jene für die Ausbildungsoffensive für das Pflegepersonal. Und dann sollen wir einem Kredit über mehr als eine Viertelmilliarde Franken zustimmen, damit Autofahrer:innen «schneller» am See sind? Sicher nicht!
Dieser Text erschien im Leadermagazin.

