No-Billag schadet der Schweiz

Im Schlussspurt des Abstimmungskampfs zur No-Billag-Initiative wird die Stimmung immer gehässiger. Einerseits erklärbar: schliesslich steht sehr viel auf dem Spiel. Andererseits ist Hysterie nie ein guter Ratgeber. Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten.

 

Bei einer Annahme von No-Billag würden der SRG auf einen Schlag Dreiviertel ihrer Einnahmen wegbrechen. Eine mediale Grundversorgung in allen Landesteilen wäre damit genau so wenig möglich, wie unabhängiger Journalismus oder die Verbreitung lokaler Anlässe und Kultur. Eine funktionierende Demokratie braucht aber ebenso wie die Wirtschaft – und insbesondere die KMU – funktionierende Medien. Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmende brauchen Informationen, um vernünftige Entscheide zu treffen. Und Privatpersonen ebenso wie Firmen haben nichts davon, wenn sie statt der Billag-Gebühr zukünftig viel mehr Geld für Abos und Pay-TV bezahlen müssten. Als langjährige Gemeinde- und Kantonspolitikerin weiss ich, wie wichtig die SRG für die Berichterstattung lokaler Zusammenhänge ist. In einer Zeit, in der insbesondere vielen kleinen Redaktionen die Ressourcen fehlen, ist die SRG oft das einzige Medium, das für das Gewerbe und Milizpolitiker relevante Entwicklungen genau verfolgt.

 

Von Christoph Kolumbus ist folgendes Zitat überliefert: „Zuverlässige Informationen sind unbedingt nötig für das Gelingen eines Unternehmens.“ Diese Erkenntnis scheint sich auch in bürgerlichen Kreisen immer mehr durchzusetzen. So beschloss der St. Galler Gewerbeverband – entgegen dem SGV – Stimmfreigabe zur Anti-SRG-Initiative und setzte damit zusammen mit dem Aargauer, dem Schwyzer (beide Nein), dem Luzerner, dem Berner und dem Obwaldner Gewerbeverband (Stimmfreigabe) ein Zeichen gegen die ideologische nationale Verbandsspitze. Diese will die SRG schwächen, koste es was es wolle. Am 4. März ist aber der falsche Moment um ein Zeichen zu setzen. Nur ein deutliches Nein sichert den nationalen Zusammenhalt und garantiert ein funktionierendes Medien-System im Interesse aller.

 

Dieser Text erschien im Leader Unternehmer Magazin 1/2018