Gesellschaft muss achtsam sein

  • 03. Januar 2015
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SP-Nationalrätin Barbara Gysi fordert am Silvester-Behördenapéro den Abbau von Vorurteilen, und Wil-Tourismus-Vizepräsident Ruedi Schär bittet um Vertrauen in Parlament und Funktionsträger.

Philipp Haag, Wiler Zeitung 3.1.2015

Behördenapéro Sylvester 2014, WilPolitisch geschichtsträchtig ist der Ort, an dem sich Wiler Behördenvertreter am Silvesterabend jeweils treffen. Bevor das Rathaus an der Marktgasse bezogen wurde, hatte das erste Geschoss des Gerichtshauses als Raatssaal gedient, wie Ruedi Schär erklärte, Vizepräsident von Wil Tourismus, Gastgeberin des traditionellen Behördenempfangs. Angesichts des kommunalpolitisch bewegten Jahres bat CVP-Stadtparlamentarier Schär um Vertrauen, wieder stärkeres Vertrauen in Stadtparlament und Funktionsträger.

Begegnung mit mutiger Dame

Unter den Gästen befanden sich Vertreter kirchlicher Behörde, der Ortsgemeinde sowie Politiker. Vorurteile abzubauen, das ist für SP-Nationalrätin Barbara Gysi eine Voraussetzung, «um gemeinsam neue Lösungen zu finden». Sie veranschaulichte es an einer Begegnung, die sie berührte. Bei der Eingabe der Wiedergutmachungs-Initiative lernte Barbara Gysi eine Frau kennen, die offen von ihren Erlebnissen als Verdingkind berichtete und ihre Lebensgeschichte für eine Maturaarbeit zur Verfügung stellte. Die Dame konfrontiere die Gesellschaft mit einem dunklen Kapitel der Schweizer Geschichte, sagte Barbara Gysi. «Die Gesellschaft muss achtsam sein.» Auch heute komme es wieder zu einer Stigmatisierung, nämlich der Sozialhilfebezüger. «Es werden die Armen bekämpft statt der Armut.» Der Schweiz gehe es gut, sagte Barbara Gysi. Trotzdem herrschten Ängste und Sorgen vor. Sie nannte Arbeitslosigkeit, Altersvorsorge und Ausländerproblematik. Es sei Aufgabe der Behörden, die Nöte ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen.

Ungleichheit als Nährboden

Grundlage für die Lösungen ist in den Augen von Barbara Gysi der Abbau von Vorurteilen. «Denn die Ungleichheit ist der Nährboden für Unzufriedenheit», betonte die SP-Nationalrätin zum Schluss.